Die Paulinerkirche ist als Teil des Historischen Gebäudes der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek ein Baudenkmal von hohem Rang. Als erste gotische Kirche Göttingens gehörte sie einst zu einem Dominikanerkloster, das im Jahr 1294 in Göttingen gegründet wurde. Sie entspricht der architektonischen Tradition der Bettelorden.

PaulinerkircheDer Einzug der Reformation in Göttingen im Jahr 1529 bedeutete für die Bettelmönche den Anfang ihres Kampfes um ein Überleben ihrer Klöster in der Stadt. Da der Rat über die Pfarrkirchen keine Verfügungsgewalt hatte, denn diese unterstanden dem herzöglichen Patronat, beschloss man, für die erste Zeit die lutherischen Gottesdienste in den Bettelordenskirchen abzuhalten, und zwar in erster Linie in der Dominikanerkirche, denn sie war die größte in der Stadt. So war es auch die Paulinerkirche, in der damals die ersten Kinder in Göttingen protestantisch getauft wurden.

Nach der Säkularisierung im 16. Jahrhundert wurde im ehemaligen Dominikanerkloster ein Pädagogium eingerichtet, das überregionale Ausstrahlung genoss. Vom Pädagogium wurde es schließlich zur Keimzelle der Universität (Gründung 1737) und ihrer Bibliothek (Gründung bereits 1734).

Zunächst wurde der Kirchenraum noch für Universitätsgottesdienste genutzt, die aber nach außen verlagert wurden, als der Platz für die schnell anwachsende Bibliothek nicht mehr ausreichte: diese übernahm mit der Zeit alle Gebäudeteile, so auch die Paulinerkirche.

1812 wurde unter Jérôme Napoléon eine Zwischendecke in die Kirche eingezogen. Im oberen Teil wurde die Kirche zum Bibliothekssaal umgestaltet, in einer Harmonie von Gotik und Klassizismus, so, wie sie auch heute wieder zu sehen ist.

Namhafte Personen wie Goethe, Heinrich Heine und die Brüder Grimm sind in der Bibliothek aus- und eingegangen: Johann Wolfgang von Goethe war einer ihrer größten Bewunderer und fleißiger Nutzer der Bestände. Für Christian Gottlob Heyne, Professor und Bibliothekar in Göttingen, war der “Historische Saal” – hier waren nämlich die geschichtlichen Bücher untergebracht – die Krönung seines jahrzehntelangen Wirkens. Heinrich Heine schließlich machte diesen Saal zum Höhepunkt seines Bibliothekstraums in der “Harzreise”.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Paulinerkirche zerstört. Nach dem Wiederaufbau wurde der Büchersaal zunächst als größter Vorlesungsraum wieder errichtet, dann für den Niedersächsischen Zentralkatalog genutzt.

Seit dem Bezug des Neubaus der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek 1992 wird der Saal als Ausstellungsraum genutzt. Erfolgreiche Ausstellungen von überregionalem Rang, wie “Wagnis der Aufklärung – Georg Christoph Lichtenberg”, “700 Jahre Paulinerkirche” und “Goethe, Göttingen und die Wissenschaft” sind hier gezeigt worden. Mit “Gutenberg und seine Wirkung” konnte im Juni 2000 der Saal wieder in historischer Form der Öffentlichkeit übergeben werden – ergänzt um das klimatisierte und hochgesicherte Schatzhaus, das die Ausstellung sehr wertvoller Exponate möglich macht. Doch nicht nur für Ausstellungen, auch für Veranstaltungen bietet die Paulinerkirche heute ein besonderes Ambiente.